Rollläden, die seit Jahren unten bleiben. Schaufenster, in denen sich nur noch Staub sammelt. Für viele mittelgroße deutsche Städte ist Ladenleerstand in der Innenstadt längst ein vertrautes, unschönes Bild – befeuert durch Online-Handel, steigende Mieten und den Wandel des stationären Einzelhandels. Einige Kommunen haben daraus jedoch eine ungewöhnliche Chance gemacht.
Das Prinzip der Zwischennutzung
Unter dem Begriff „Zwischennutzung" haben sich in den vergangenen Jahren in mehreren deutschen Klein- und Mittelstädten Initiativen entwickelt, bei denen Kommunen gemeinsam mit Eigentümern leerstehende Ladenflächen befristet und meist mietfrei oder stark vergünstigt an Künstlerinnen, Kreative und lokale Initiativen vergeben. Die Eigentümer profitieren davon, dass ihre Immobilie nicht länger dem sichtbaren Verfall überlassen bleibt und weiterhin versichert und beheizt wird – die Nutzenden erhalten im Gegenzug günstigen Raum für Ateliers, Popup-Ausstellungen oder Nachbarschaftsprojekte.
Mehr als nur hübschere Schaufenster
Der Effekt geht über die reine Optik hinaus. Wo vorher tote Fassaden das Stadtbild prägten, entstehen Orte mit Publikumsverkehr: offene Ateliers, kleine Lesungen, Ausstellungseröffnungen. Städte, die solche Programme über mehrere Jahre begleitet haben, berichten von einer spürbaren Belebung angrenzender Gastronomie und Einzelhandelsflächen – Zwischennutzung wirkt häufig wie ein kleiner Katalysator für die gesamte Nachbarschaft.
Nicht jede Immobilie eignet sich
Nicht jeder Leerstand lässt sich auf diese Weise beleben. Bauliche Mängel, ungeklärte Eigentumsverhältnisse oder fehlende Bereitschaft der Eigentümer, auf kurzfristige Vermietungserlöse zu verzichten, verhindern in vielen Fällen eine Zwischennutzung. Erfolgreiche Projekte setzen deshalb meist auf eine vermittelnde Stelle – oft ein städtisches Citymanagement oder ein eingetragener Verein –, die zwischen Eigentümern und Kreativschaffenden koordiniert und rechtliche wie organisatorische Fragen klärt.
Ein kleiner Baustein gegen den Innenstadt-Leerstand
Zwischennutzung löst das strukturelle Problem des Ladensterbens nicht allein. Sie zeigt aber, dass leerstehende Flächen nicht zwangsläufig zu stillen Symbolen des Niedergangs werden müssen. Mit vergleichsweise geringem finanziellem Aufwand entstehen Orte, an denen Menschen wieder zusammenkommen – ein kleiner, aber sichtbarer Unterschied für das Gefühl, das eine Innenstadt vermittelt.
